Beobachtungstipps für Libellen
Die Beobachtung von Libellen ist eine wunderbare Beschäftigung, die ich Ihnen aus ganzem Herzen empfehlen kann. In über 50 Jahren habe ich einige Erfahrungen gesammelt, die ich gerne mit Ihnen teile. Mit den folgenden Tipps werden Ihre Begegnungen mit diesen faszinierenden Flugkünstlern noch bereichernder.
Rechtliche Grundlagen
Bevor Sie sich auf den Weg machen, sollten Sie wissen: Libellen sind streng geschützte Tiere. Sie dürfen weder gestört noch gefangen werden. Wer Libellen aus wissenschaftlichen Gründen fangen möchte – etwa um sie genauer bestimmen zu können – benötigt eine Fanggenehmigung der zuständigen unteren Naturschutzbehörde.
Für die reine Beobachtung brauchen Sie selbstverständlich keine Genehmigung. Behandeln Sie die Tiere mit Respekt – Libellen sind Lebewesen, keine Objekte. Beobachten Sie sie in ihrem natürlichen Verhalten, ohne sie zu bedrängen.
Die richtige Ausrüstung
Ein gutes Fernglas
Für die Libellenbeobachtung benötigen Sie kein klassisches Fernglas, sondern eher ein „Nahglas" – ein Fernglas, das auf kurze Distanzen fokussieren kann. Ich verwende seit Jahren das Pentax Papilio mit einer Nahfokussierung ab 50 cm. Mit einer 8,5-fachen Vergrößerung und einem Gewicht von nur 290 g ist es ideal für unterwegs.
Achten Sie bei der Auswahl auf:
- Nahfokussierung unter 1 Meter
- Verstellbare Augenmuscheln (für Brillenträger)
- Gute Dioptrienkorrektur
- Geringes Gewicht für längere Ausflüge
Fotoausrüstung
Wenn Sie Libellen fotografieren möchten, empfehle ich die frühen Morgenstunden. Die Tiere sind dann noch von der Kühle der Nacht verlangsamt und lassen sich leichter ablichten. Suchen Sie Schilfhalme oder Gräser am Teichrand ab – dort ruhen Libellen gerne, bis die Sonne sie aufwärmt.
Verhalten bei der Beobachtung
Libellen sind harmlos
Libellen beißen nicht und stechen nicht. Sollte einmal eine Libelle nahe vor Ihnen in der Luft schweben oder sich auf Ihnen niederlassen, können Sie sie in aller Ruhe beobachten. Vielleicht hat sie sich nur zur Nahrungsaufnahme oder zum Aufwärmen niedergesetzt.
Richtiger Umgang
Falls Sie eine Libelle doch einmal vorsichtig anfassen müssen – etwa um ein verletztes Tier zu retten – greifen Sie sie an der Brust zwischen Daumen und Zeigefinger. Alternativ können Sie alle sechs Beine sanft zwischen den Fingern halten. Halten Sie den Kopf dabei von Ihrem Körper weg; Großlibellen haben kräftige Mundwerkzeuge, die Sie zwar nicht verletzen, aber durchaus spürbar zupacken können.
Wichtig: Vermeiden Sie es, Libellen an den Flügeln zu halten. Bei jungen, frisch geschlüpften Tieren können die Flügel dadurch verkleben oder dauerhaft beschädigt werden.
Verklebte Flügel
Sollten Sie eine Libelle mit verklebten Flügeln finden – etwa nach einem Regenschauer beim Schlupf – können Sie vorsichtig versuchen zu helfen: Führen Sie einen dünnen Grashalm dicht über dem Rücken zwischen die Flügelansätze und ziehen Sie ihn behutsam nach oben. Versuchen Sie aber niemals, die Flügel zu glätten – Libellenflügel müssen ihre natürliche Form behalten, um funktionsfähig zu sein.
Beste Beobachtungszeiten
- Tageszeit: Die meisten Arten sind bei Sonnenschein zwischen 10 und 16 Uhr am aktivsten
- Wetter: Warme, windstille Tage sind ideal
- Jahreszeit: Von Mai bis September ist Hauptsaison, einige Arten fliegen aber bereits im April oder noch im Oktober
Beobachtungen melden
Wenn Sie Ihre Libellenbeobachtungen dokumentieren und mit anderen teilen möchten, gibt es verschiedene Plattformen dafür. Ihre Meldungen sind wertvoll für den Naturschutz und helfen, die Verbreitung der Arten besser zu verstehen.
Notieren Sie bei jeder Beobachtung:
- Datum und Uhrzeit
- Genauer Ort (GPS-Koordinaten sind ideal)
- Art (oder Beschreibung, falls unsicher)
- Anzahl und Geschlecht
- Beobachtetes Verhalten (Jagd, Paarung, Eiablage...)
Bei Bestimmungsschwierigkeiten helfe ich Ihnen gerne weiter – schreiben Sie mir über die Kontaktseite.