Fledermaus-Azurjungfer

Coenagrion pulchellum (Vander Linden, 1825)

Männchen der Fledermaus-Azurjungfer
Männchen der Fledermaus-Azurjungfer - Das kelchförmige Zeichen auf Segment 2 ist charakteristisch.

Die Fledermaus-Azurjungfer ist die "schöne Schwester" der häufigen Hufeisen-Azurjungfer. Ihr wissenschaftlicher Name "pulchellum" bedeutet "die Hübsche" - und dieser Name ist berechtigt. Obwohl sie ihrer Verwandten auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich sieht, offenbart ein genauerer Blick auf das zweite Hinterleibssegment den Unterschied: Ein kelchförmiges Zeichen, das an den Kopf einer Fledermaus erinnert, gibt ihr ihren deutschen Namen.

Kurzsteckbrief

Größe33-35 mm Körperlänge
Flügelspannweite38-44 mm
FlugzeitMai bis August
UnterordnungKleinlibellen (Zygoptera)
FamilieSchlanklibellen (Coenagrionidae)
Gefährdung DeutschlandVorwarnstufe (V)

Erkennungsmerkmale

Männchen

Das entscheidende Merkmal ist das kelch- oder pokalförmige schwarze Zeichen auf dem zweiten Hinterleibssegment. Im Gegensatz zum geschlossenen Hufeisen der Hufeisen-Azurjungfer ist dieses Zeichen nach unten offen und erinnert an einen Kelch oder Pokal. Zusätzlich sind die schwarzen Zeichnungen auf den Segmenten 3-5 ausgedehnter als bei der Schwesterart.

Weibchen

Weibchen sind schwieriger zu unterscheiden. Sie zeigen mehr Schwarz auf dem Hinterleib als Weibchen der Hufeisen-Azurjungfer. Der Prothorax-Hinterrand hat eine andere Form, was aber nur bei genauer Betrachtung erkennbar ist.

Lebensraum

Die Fledermaus-Azurjungfer ist anspruchsvoller als ihre häufige Verwandte. Sie bevorzugt mesotrophe (mäßig nährstoffreiche) stehende Gewässer mit gut entwickelter Schwimmblattvegetation. Typische Lebensräume sind naturnahe Weiher, Altwässer und Seen mit Seerosen. Stark eutrophe oder vegetationsarme Gewässer meidet sie.

Die Larven leben zwischen Wasserpflanzen. Die Entwicklung dauert ein bis zwei Jahre.

Verbreitung

In Deutschland ist die Fledermaus-Azurjungfer verbreitet, aber deutlich seltener als die Hufeisen-Azurjungfer. Sie steht auf der Vorwarnstufe der Roten Liste, da ihre Lebensräume zurückgehen. In Österreich und der Schweiz kommt sie vor allem in den tieferen Lagen vor.

Verhalten

Habitatpräferenz

Die Fledermaus-Azurjungfer hält sich bevorzugt in der Schwimmblattzone auf - besonders auf Seerosenblättern sind die Tiere regelmäßig zu beobachten. Dieses Verhalten unterscheidet sie von der Hufeisen-Azurjungfer, die auch in reiner Röhrichtvegetation vorkommt.

Fortpflanzung

Die Eiablage erfolgt im Tandem in Wasserpflanzen. Die Weibchen tauchen dabei oft vollständig unter Wasser, um ihre Eier in Stängel und Blätter einzustechen.

Beobachtungstipps

Suchen Sie naturnahe Gewässer mit Seerosen oder anderen Schwimmblattpflanzen auf. Die Fledermaus-Azurjungfer sitzt gerne auf den Blättern. Achten Sie besonders auf das kelchförmige Zeichen - am besten mit einer Lupe oder einem Fernglas mit Naheinstellgrenze.

Ähnliche Arten

Die Hufeisen-Azurjungfer hat ein hufeisenförmiges statt kelchförmiges Zeichen. Die Becher-Azurjungfer hat schwarze Thoraxstreifen und ein pilzförmiges Zeichen.