Große Pechlibelle

Ischnura elegans (Vander Linden, 1820)

Paarungsrad der Großen Pechlibelle
Paarungsrad der Großen Pechlibelle - Das zweifarbige Pterostigma ist gut erkennbar.

Die Große Pechlibelle ist eine der häufigsten und anpassungsfähigsten Kleinlibellen unserer Heimat. Ihr Name "elegans" - die Elegante - ist treffend gewählt: Mit ihrem schlanken Körperbau und dem charakteristischen blauen "Schwanzlicht" am Hinterleibsende ist sie eine auffällige Erscheinung. In meiner jahrzehntelangen Beobachtungstätigkeit habe ich sie an den unterschiedlichsten Gewässern angetroffen - vom Regenwasserbecken bis zum naturnahen See.

Kurzsteckbrief

Größe 30-34 mm Körperlänge
Flügelspannweite 35-40 mm
Flugzeit Mai bis September
Unterordnung Kleinlibellen (Zygoptera)
Familie Schlanklibellen (Coenagrionidae)
Gefährdung Deutschland Nicht gefährdet

Erkennungsmerkmale

Die Große Pechlibelle ist trotz ihrer Häufigkeit gut von anderen Azurjungfern zu unterscheiden. Zwei Merkmale sind dabei besonders hilfreich.

Männchen

Das wichtigste Erkennungsmerkmal ist das zweifarbige Pterostigma (Flügelmal): Die vordere Hälfte ist hell (weiß bis gelblich), die hintere dunkel. Kein anderes heimisches Azurjungfer hat dieses Merkmal! Der Hinterleib ist größtenteils schwarz gefärbt, nur das achte Segment trägt einen leuchtend blauen Fleck - das sogenannte "Schwanzlicht".

Weibchen

Weibchen zeigen eine bemerkenswerte Farbvielfalt mit mindestens fünf verschiedenen Farbformen: violett (Form violacea), orange (Form rufescens), olivgrün (Form infuscans), blau (Form typica) und braun (Form infuscans-obsoleta). Diese Vielfalt hat mich schon oft überrascht - manchmal meint man, eine ganz andere Art vor sich zu haben. Das zweifarbige Flügelmal ist aber bei allen Formen vorhanden.

Lebensraum

Die Große Pechlibelle ist extrem anpassungsfähig. Sie besiedelt praktisch alle stehenden Gewässer: naturnahe Seen und Teiche ebenso wie Gartenteiche, Kiesgruben, Regenwasserbecken und sogar leicht verschmutzte Gewässer. Als Pionierart besiedelt sie neue Gewässer oft als eine der ersten Libellenarten.

Die Larven sind tolerant gegenüber Wasserverschmutzung und entwickeln sich in nur einem Jahr - manchmal sogar in weniger als einem Jahr.

Verbreitung

In ganz Deutschland ist die Große Pechlibelle häufig und flächendeckend verbreitet. Sie fehlt in keinem Bundesland und kommt vom Tiefland bis in mittlere Höhenlagen vor. In Österreich und der Schweiz ist sie ebenfalls weit verbreitet und häufig.

Verhalten

Aktivität

Die Große Pechlibelle ist weniger an Sonnenschein gebunden als viele andere Kleinlibellen. Sie fliegt auch bei bewölktem Wetter und ist morgens und abends länger aktiv als die meisten Azurjungfern. Diese Flexibilität trägt zu ihrer Häufigkeit bei.

Fortpflanzung

Die Paarung erfolgt meist in der Vegetation am Ufer. Anders als viele Azurjungfern trennen sich die Partner nach der Paarung, und das Weibchen legt die Eier alleine ab - ein Verhalten, das unter Schlanklibellen eher selten ist.

Beobachtungstipps

Die Große Pechlibelle können Sie an fast jedem Gewässer finden. Achten Sie auf das zweifarbige Flügelmal - dieses Merkmal ist auch aus einiger Entfernung zu erkennen. Die Tiere sitzen gerne auf niedrigen Pflanzen am Ufer und lassen sich gut beobachten.

Besonders interessant: Versuchen Sie, verschiedene Weibchen-Farbformen zu finden. Mit etwas Glück können Sie an einem einzigen Gewässer mehrere verschiedene Formen entdecken - das macht die Beobachtung dieser Art besonders spannend.

Ähnliche Arten

Die Kleine Pechlibelle ist kleiner und hat ein einfarbiges Pterostigma. Die Hufeisen-Azurjungfer und andere Azurjungfern haben ebenfalls einfarbige Flügelmale und einen blauen (nicht schwarzen) Hinterleib beim Männchen.