Der Gartenteich als Libellenparadies
Ein Gartenteich ist weit mehr als nur ein dekoratives Element – er kann zum wichtigen Lebensraum für Libellen werden. In meinen Jahren als Beobachter habe ich erlebt, wie selbst kleine Fertigteiche aus dem Baumarkt von mehreren Arten besiedelt wurden. Wenn Sie es richtig angehen, können Sie sich auf faszinierende Begegnungen direkt vor Ihrer Haustür freuen.
Kennzeichen des Lebensraums
Der Gartenteich unterscheidet sich deutlich von natürlichen stehenden Gewässern. Er ist künstlich entstanden, meist relativ klein – nur wenige haben mehr als 10 m² freie Wasserfläche – und oft auch recht flach, sodass er im Winter durchfrieren kann.
Das Spektrum ist breit: vom puristischen Plastikteich bis zum naturnahen Gewässer mit verschiedenen Tiefenzonen und heimischen Pflanzen. Entsprechend unterschiedlich ist auch das Libellenspektrum. Eine Faustregel gilt aber: Je größer und vielgestaltiger der Gartenteich, desto mehr Arten werden Sie beobachten können.
Anforderungen an die Libellen
Libellen, die Gartenteiche besiedeln, müssen flexibel sein. Die Bedingungen können sich von Jahr zu Jahr ändern – mal wird eine Pflanze eingesetzt, dann wieder entfernt, mal kämpft der Besitzer gegen Algen, mal wird der Teich sich selbst überlassen.
Im Allgemeinen stellen Gartenteiche aber ähnliche Anforderungen wie andere stehende Gewässer. Die Arten, die sich hier ansiedeln, sind meist die anpassungsfähigeren „Allerweltsarten" – aber das macht die Beobachtung nicht weniger spannend.
Tipps für einen libellenfreundlichen Teich
Größe und Tiefe
Je größer, desto besser. Ein Teich sollte mindestens an einer Stelle 80 cm tief sein, damit er nicht vollständig durchfriert und Larven überwintern können. Verschiedene Tiefenzonen bieten Lebensraum für unterschiedliche Arten.
Pflanzen
Setzen Sie heimische Wasserpflanzen ein. Schwimmpflanzen wie Seerosen bieten Schlupfplätze, Unterwasserpflanzen liefern Sauerstoff und Verstecke für die Larven, Röhricht am Rand dient als Ansitzwarte für die erwachsenen Libellen.
Die Entscheidung: Fische oder Libellen?
Hier muss ich deutlich sein: Fische sind die größten Feinde der Libellenlarven. Sie fressen die Larven, wühlen den Grund auf (wodurch kein Pflanzenwuchs aufkommt) und verschlechtern durch ihre Ausscheidungen die Wasserqualität.
Sie müssen sich entscheiden: Entweder Goldfische, die Sie die meiste Zeit des Jahres ohnehin nicht sehen – oder eine reiche Wasserwelt mit Libellen, Wasserkäfern, Wasserläufern und vielen anderen faszinierenden Lebewesen.
Natürlichkeit
Widerstehen Sie dem Drang, zu viel einzugreifen. Ein gewisses Maß an Algen und „Unordnung" gehört dazu. Der perfekt gepflegte Teich ohne jedes fallende Blatt ist für Libellen weniger attraktiv als ein naturnaher Teich, in dem Sie auch mal ein Auge zudrücken.
Typische Gartenteich-Arten
Folgende Arten werden Sie mit etwas Glück an Ihrem Gartenteich beobachten können:
Häufige Gäste
- Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) – der neugierige Gast, der auch Sie interessiert beobachten wird
- Große Pechlibelle (Ischnura elegans) – oft die erste Besiedlerin neuer Teiche
- Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) – die häufigste Kleinlibelle
Mit etwas Glück
- Große Königslibelle (Anax imperator) – eine beeindruckende Erscheinung
- Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum) – im Spätsommer
- Plattbauch (Libellula depressa) – Pionierart an frischen Teichen
Die ganz seltenen Arten werden Sie am Gartenteich wohl nicht finden – aber wer weiß? Die Natur hält immer wieder Überraschungen bereit. Ich kenne Fälle, in denen auch ungewöhnliche Arten an Gartenteichen aufgetaucht sind.
Ein Beitrag zum Naturschutz
Jeder naturnahe Gartenteich ist ein kleiner Beitrag zum Schutz der Libellen. In unserer zunehmend ausgeräumten Landschaft werden solche „Trittsteine" immer wichtiger – sie ermöglichen es den Tieren, sich zwischen den verbliebenen natürlichen Gewässern zu bewegen und neue Lebensräume zu besiedeln.