Plattbauch (Libellula depressa)
Wenn Sie an einem sonnigen Maitag an einem frisch angelegten Gartenteich stehen und plötzlich eine Libelle mit auffällig breitem, hellblauem Hinterleib vorbeifliegt, haben Sie mit großer Wahrscheinlichkeit einen Plattbauch gesehen. Diese markante Segellibelle gehört zu den ersten Besiedlern neuer Gewässer - ein Verhalten, das mich schon immer fasziniert hat. Woher wissen sie, dass irgendwo ein neuer Teich entstanden ist?
Kurzsteckbrief
| Größe | 42-45 mm Körperlänge |
|---|---|
| Flügelspannweite | 70-80 mm |
| Flugzeit | Mai bis August |
| Unterordnung | Großlibellen (Anisoptera) |
| Familie | Segellibellen (Libellulidae) |
| Gefährdung Deutschland | Nicht gefährdet |
Unverwechselbare Merkmale
Der Plattbauch trägt seinen Namen zu Recht: Sein Hinterleib ist auffällig breit und dorsoventral (von oben nach unten) abgeflacht - ein Merkmal, das bei keiner anderen heimischen Libelle so ausgeprägt ist. Diese ungewöhnliche Körperform macht ihn selbst für Anfänger leicht bestimmbar.
Männchen
Ausgefärbte Männchen sind an ihrem hellblauen, bereiften Hinterleib sofort zu erkennen. Diese Blaufärbung entsteht durch eine wachsartige Bereifung, die sich mit zunehmendem Alter bildet. Junge Männchen sind noch gelbbraun gefärbt wie die Weibchen. Die Flügelbasis zeigt einen charakteristischen dunklen Dreieckfleck.
Weibchen
Weibchen bleiben zeitlebens gelbbraun gefärbt mit schwarzer Zeichnung entlang der Hinterleibsmitte. Auch bei ihnen ist der breite, abgeflachte Hinterleib das wichtigste Erkennungsmerkmal. Die gelben Seitenflecken am Hinterleib sind deutlich ausgeprägt.
Lebensraum
Der Plattbauch ist ein echter Pionier. Er besiedelt bevorzugt neu entstandene oder vegetationsarme Stillgewässer: frisch angelegte Teiche, Kiesgruben, Tümpel und Gartenteiche. Offene Wasserflächen mit spärlicher Vegetation und sonnigen Ufern sind ideal.
Mit zunehmender Verlandung und Vegetationsentwicklung verschwindet er oft wieder und überlässt das Gewässer anderen Arten. Die Larven leben im Bodenschlamm und können sich dort schnell entwickeln - manchmal in nur einem Jahr.
Verbreitung
In Deutschland ist der Plattbauch weit verbreitet und häufig. Er kommt vom Tiefland bis in mittlere Höhenlagen vor. Sein Pionierverhalten macht ihn zu einer mobilen Art, die schnell neue Lebensräume besiedelt.
In Österreich und der Schweiz ist er ebenfalls verbreitet, wobei er in den Alpen nur in den tieferen Lagen vorkommt.
Verhalten
Revierverhalten
Die Männchen sind ausgesprochen territorial und besetzen Bereiche am Gewässerufer. Von erhöhten Sitzwarten aus - oft auf blankem Boden, Steinen oder niedrigen Pflanzen - beobachten sie ihr Revier. Bei Annäherung anderer Männchen starten sie sofort zur Verteidigung.
Thermoregulation
Der Plattbauch zeigt ein interessantes Verhalten zur Temperaturregulation: Bei starker Sonneneinstrahlung richtet er seinen Hinterleib senkrecht nach oben zur Sonne - eine Position, die als "Obelisk-Stellung" bekannt ist. Dadurch verringert er die der Sonne ausgesetzte Körperfläche und vermeidet Überhitzung.
Fortpflanzung
Die Paarung dauert nur wenige Sekunden. Anschließend legt das Weibchen die Eier alleine ab, indem es mit dem Hinterleib auf die Wasseroberfläche tippt. Das Männchen bewacht dabei aus der Luft sein Revier, vertreibt aber das Weibchen nicht.
Beobachtungstipps
Der Plattbauch ist leicht zu beobachten, da er sich gerne auf offenen, sonnigen Flächen niederlässt. Suchen Sie im Mai und Juni neu angelegte Teiche oder Kiesgruben mit wenig Vegetation auf. Die Männchen sitzen oft auf Steinen oder dem blanken Boden am Ufer.
Ein besonderer Tipp: Wenn Sie einen neuen Gartenteich anlegen, gehört der Plattbauch oft zu den ersten Großlibellen, die sich dort einfinden - manchmal schon nach wenigen Wochen. Beobachten Sie auch die charakteristische Obelisk-Stellung an heißen Tagen.
Ähnliche Arten
Der Vierfleck hat einen schmaleren Hinterleib und vier markante Flügelflecken. Der Große Blaupfeil hat ebenfalls einen blauen Hinterleib, aber dieser ist viel schlanker und nicht abgeflacht. Der Spitzenfleck (Libellula fulva) hat dunkle Flügelspitzen, aber einen weniger breiten Hinterleib.