Federlibelle
Platycnemis pennipes (Pallas, 1771)
Die Federlibelle oder Blaue Federlibelle ist eine der ungewöhnlichsten Kleinlibellen unserer Heimat. Ihre weißlich erweiterten Beinschienen, die an Federn erinnern, machen sie unverwechselbar. Kein anderes heimisches Insekt hat solche "Federbeine"! In meinen frühen Jahren als Libellenbeobachter dachte ich zunächst an eine Missbildung - bis ich erfuhr, dass dieses Merkmal bei der Balz eine wichtige Rolle spielt.
Kurzsteckbrief
| Größe | 35-37 mm Körperlänge |
|---|---|
| Flügelspannweite | 38-48 mm |
| Flugzeit | Mai bis August |
| Unterordnung | Kleinlibellen (Zygoptera) |
| Familie | Federlibellen (Platycnemididae) |
| Gefährdung Deutschland | Nicht gefährdet |
Erkennungsmerkmale
Männchen
Das unverwechselbare Merkmal sind die stark verbreiterten, weißlichen Schienen (Tibien) der Mittel- und Hinterbeine. Diese "Federbeine" werden bei der Balz dem Weibchen präsentiert. Der Körper ist blass blaugrau bis weißlich gefärbt mit feiner schwarzer Zeichnung. Die Färbung ist insgesamt viel blasser als bei den blauen Azurjungfern.
Weibchen
Weibchen sind noch blasser gefärbt, oft fast weiß bis gelblich-grün. Auch sie haben verbreiterte Beinschienen, wenn auch weniger ausgeprägt als die Männchen. Die Zeichnung ist insgesamt dezenter.
Lebensraum
Die Federlibelle ist eine typische Art der Fließgewässer. Sie bevorzugt langsam fließende Bäche und Flüsse mit reichlich Ufervegetation. Auch an Altarmen, Gräben und langsam fließenden Kanälen ist sie zu finden. An stehenden Gewässern kommt sie seltener vor.
Die Larven leben zwischen Wasserpflanzen und im Wurzelwerk der Ufervegetation. Die Entwicklung dauert ein bis zwei Jahre.
Verbreitung
In Deutschland ist die Federlibelle weit verbreitet und besonders an Fließgewässern häufig. Sie fehlt nur in den höheren Gebirgslagen. In Österreich und der Schweiz ist sie ebenfalls verbreitet, aber auf die tieferen Lagen beschränkt.
Verhalten
Balzverhalten
Die verbreiterten Beinschienen spielen bei der Balz eine wichtige Rolle. Die Männchen präsentieren ihre "Federbeine" den Weibchen, indem sie die Beine seitlich abspreizen. Dieses Verhalten ist faszinierend zu beobachten und einzigartig unter den europäischen Libellen.
Flugverhalten
Die Federlibelle ist ein eher langsamer, "flatternder" Flieger. Sie hält sich meist in der Ufervegetation auf und fliegt nur kurze Strecken. An warmen Tagen können Sie größere Ansammlungen in der bachbegleitenden Vegetation beobachten.
Beobachtungstipps
Besuchen Sie einen langsam fließenden Bach oder kleinen Fluss mit Ufergehölzen zwischen Juni und Juli. Die Federlibelle sitzt gerne auf überhängender Vegetation und ist dort gut zu beobachten. Die weißlichen Federbeine fallen auch aus einiger Entfernung auf.
Ähnliche Arten
Die verbreiterten Beinschienen sind einzigartig - keine andere heimische Libelle hat dieses Merkmal. Die Hufeisen-Azurjungfer und andere Azurjungfern haben normale, nicht verbreiterte Beine und eine intensivere Blaufärbung.