Körperbau der Libellen

Anatomie einer Libelle mit Kopf, Brust und Hinterleib
Der dreiteilige Körperbau einer Libelle: Kopf, Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen).

Wenn Sie eine Libelle genauer betrachten, werden Sie feststellen, dass ihr Körper dem typischen Insektenbauplan folgt: drei klar voneinander abgegrenzte Körperabschnitte, die jeweils spezialisierte Aufgaben erfüllen. In meinen Jahrzehnten als Beobachter hat mich diese perfekte Konstruktion immer wieder fasziniert – jedes Detail ist auf das Leben als Luftjäger abgestimmt.

Die drei Körperabschnitte

Der Grundaufbau aller Libellen gliedert sich, wie bei allen Insekten, in drei Hauptteile:

Kopf (Caput)

Der Kopf trägt die riesigen Facettenaugen, die bis zu 30.000 Einzelaugen umfassen können. Dazu kommen die kurzen Antennen und die kräftigen Mundwerkzeuge. Der Kopf ist äußerst beweglich und kann nahezu in alle Richtungen gedreht werden.

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Brust (Thorax)

Die Brust ist der Bewegungsapparat der Libelle. Hier setzen die vier Flügel und die sechs Beine an. Die kräftige Flugmuskulatur ermöglicht die beeindruckenden Flugmanöver, für die Libellen bekannt sind.

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Hinterleib (Abdomen)

Der lange, schlanke Hinterleib enthält die Verdauungs- und Geschlechtsorgane. Seine zehn Segmente sind je nach Art unterschiedlich gefärbt und gemustert – ein wichtiges Bestimmungsmerkmal.

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Besonderheiten des Libellenkörpers

Was Libellen von anderen Insekten unterscheidet, sind einige bemerkenswerte Anpassungen:

Die Augen

Die Facettenaugen der Libellen gehören zu den leistungsfähigsten im gesamten Tierreich. Bei Großlibellen stoßen sie auf dem Scheitel zusammen, bei Kleinlibellen sind sie durch einen Abstand getrennt. Diese Augen ermöglichen ein nahezu 360-Grad-Sichtfeld und eine außergewöhnliche Bewegungswahrnehmung – unverzichtbar für die Jagd im Flug.

Die Flügel

Libellen besitzen vier Flügel, die sie unabhängig voneinander bewegen können. Das ermöglicht Flugmanöver, die kein anderes Insekt beherrscht: Rückwärtsflug, abrupte Richtungswechsel und sogar das Schweben auf der Stelle. Die Flügel sind von einem feinen Adernetz durchzogen, das ihnen Stabilität verleiht.

Die Beine

Die sechs Beine sind zu einem Fangkorb geformt und mit Dornen besetzt. Mit diesem „Korb" greifen Libellen ihre Beute im Flug. Zum Laufen sind die Beine hingegen kaum geeignet – Libellen sitzen oder fliegen, aber sie gehen nicht.

Unterschiede zwischen Groß- und Kleinlibellen

Ein häufiges Missverständnis: Die Bezeichnungen „Großlibelle" und „Kleinlibelle" beziehen sich nicht unbedingt auf die Körpergröße. Die größte Kleinlibelle, die Blauflügel-Prachtlibelle, ist größer als manche Großlibelle wie die Schwarze Heidelibelle.

Der Unterschied liegt in der Anatomie:

  • Großlibellen (Anisoptera): Augen berühren sich meist, Hinterflügel breiter als Vorderflügel, Flügel in Ruhe seitlich ausgebreitet
  • Kleinlibellen (Zygoptera): Augen weit auseinander, alle Flügel gleich geformt, Flügel in Ruhe zusammengelegt

Wenn Sie diese Merkmale kennen, können Sie jede Libelle sofort einer der beiden Unterordnungen zuordnen – auch ohne den genauen Artnamen zu wissen.

Weiterführende Informationen

Detaillierte Beschreibungen der einzelnen Körperteile finden Sie auf den folgenden Seiten: