Früher Schilfjäger

Brachytron pratense (Müller, 1764)

Wenn im Mai die ersten warmen Tage kommen und das Schilf noch vom letzten Jahr braun und trocken steht, erscheint der Frühe Schilfjäger als erste Großlibelle des Jahres. Für mich ist sein Erscheinen immer ein besonderer Moment - er kündigt den Beginn der neuen Libellensaison an. Sein Name ist Programm: Er jagt früh im Jahr und bevorzugt dabei Schilfbestände, über denen er unermüdlich patrouilliert.

Kurzsteckbrief

Größe 54-60 mm Körperlänge
Flügelspannweite 70-78 mm
Flugzeit Mai bis Juli
Unterordnung Großlibellen (Anisoptera)
Familie Edellibellen (Aeshnidae)
Gefährdung Deutschland Vorwarnstufe (V)

Merkmale

Der Frühe Schilfjäger ist eine relativ kleine, kompakt gebaute Edellibelle. Im Vergleich zu den Mosaikjungfern wirkt er gedrungener und hat einen kürzeren Hinterleib. Ein besonders auffälliges Merkmal ist seine dichte Körperbehaarung - vor allem Thorax und Hinterleibsbasis sind pelzig behaart, was ihn von allen anderen heimischen Edellibellen unterscheidet.

Männchen

Die Männchen zeigen eine grünliche Thoraxfärbung mit undeutlichen Seitenstreifen. Der Hinterleib ist schwarz mit blauen Flecken, die allerdings kleiner sind als bei den Mosaikjungfern. Die Augen sind blaugrün. Besonders charakteristisch ist der behaarte Körper, der ihm ein etwas "wuscheliges" Aussehen verleiht.

Weibchen

Weibchen sind insgesamt bräunlicher gefärbt. Die Flecken auf dem Hinterleib sind gelblich-grün statt blau. Auch bei ihnen ist die charakteristische Behaarung deutlich sichtbar. Der Hinterleib ist etwas breiter als bei den Männchen.

Lebensraum

Wie sein Name verrät, ist der Frühe Schilfjäger eng an Schilfbestände gebunden. Er bevorzugt stehende oder langsam fließende Gewässer mit ausgedehnten Röhrichtzonen. Altarme, Teiche, Weiher und Seen mit Schilfgürteln sind sein typischer Lebensraum.

Die Larven leben versteckt zwischen den unter Wasser befindlichen Stängeln der Röhrichtpflanzen. Sie benötigen etwa zwei Jahre für ihre Entwicklung. Der Schlupf erfolgt bereits ab Anfang Mai an den vorjährigen Schilfhalmen.

Verbreitung

In Deutschland kommt der Frühe Schilfjäger vor allem im Tiefland vor. Er ist in den norddeutschen Bundesländern am häufigsten, wird nach Süden hin seltener. In Bayern und Baden-Württemberg ist er nur lokal verbreitet.

In Österreich beschränkt sich das Vorkommen auf das Flachland im Osten des Landes, insbesondere das Neusiedlersee-Gebiet und die Donau-Auen. In der Schweiz ist die Art selten und nur im Mittelland vereinzelt anzutreffen.

Verhalten

Flugverhalten

Der Frühe Schilfjäger ist ein ausdauernder Patrouillierer. Die Männchen fliegen meist in ein bis zwei Metern Höhe entlang der Schilfkante und drehen dabei regelmäßig um. Charakteristisch ist ihr etwas "schwerfälligerer" Flug im Vergleich zu den größeren Mosaikjungfern - sie wirken dabei behäbiger und weniger wendig.

Fortpflanzung

Die Eiablage erfolgt in abgestorbene Pflanzenteile oberhalb der Wasserlinie. Das Weibchen sticht dabei die Eier in die Stängel des vorjährigen Schilfs oder in schwimmendes Pflanzenmaterial ein. Die Paarung findet meist im Flug statt und dauert nur kurz.

Gefährdung und Schutz

Der Frühe Schilfjäger steht in Deutschland auf der Vorwarnstufe der Roten Liste. Die Hauptgefährdung geht vom Verlust geeigneter Lebensräume aus:

  • Beseitigung von Schilfbeständen
  • Intensive Gewässerunterhaltung
  • Zerstörung von Altarmen
  • Eutrophierung von Gewässern

Der Schutz naturnaher Schilfbestände ist entscheidend für den Erhalt dieser Art.

Beobachtungstipps

Die beste Zeit zur Beobachtung des Frühen Schilfjägers ist von Mitte Mai bis Mitte Juni. Suchen Sie Gewässer mit ausgedehnten Schilfbeständen auf. Die Männchen patrouillieren besonders an sonnigen, windstillen Vormittagen.

Achten Sie auf Libellen, die in gleichmäßigem Flug entlang der Schilfkante hin und her fliegen. Mit etwas Glück können Sie beobachten, wie sie sich gelegentlich an Schilfhalme setzen - dann ist die dichte Körperbehaarung gut zu erkennen. Ich empfehle ein Fernglas, da die Tiere oft in einiger Entfernung über dem Schilf fliegen.

Ähnliche Arten

Aufgrund seiner frühen Flugzeit und der charakteristischen Behaarung ist der Frühe Schilfjäger gut zu erkennen. Die Blaugrüne Mosaikjungfer erscheint erst später im Jahr und ist größer und schlanker. Die Große Königslibelle ist deutlich größer und hat keine Körperbehaarung.