Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea)
Die Torf-Mosaikjungfer ist für mich die "Königin der Moore". Wer sie beobachten möchte, muss bereit sein, in die letzten unberührten Moorlandschaften unserer Heimat vorzudringen. Dort, zwischen Torfmoosen und Wollgras, über dunklen Moorkolken, begegnet man einer Libelle von herber Schönheit. Ihre leuchtend blauen Augen haben mich schon bei meiner ersten Begegnung vor über 40 Jahren in ihren Bann gezogen.
Kurzsteckbrief
| Größe | 65-80 mm Körperlänge |
|---|---|
| Flügelspannweite | 85-95 mm |
| Flugzeit | Juni bis Oktober |
| Unterordnung | Großlibellen (Anisoptera) |
| Familie | Edellibellen (Aeshnidae) |
| Gefährdung Deutschland | Gefährdet (3) |
Aussehen
Die Torf-Mosaikjungfer gehört zu den größeren Mosaikjungfern (wie etwa die Südliche Mosaikjungfer) und ist an ihrem charakteristischen Erscheinungsbild gut zu erkennen - vorausgesetzt, man bekommt sie zu Gesicht, denn sie ist deutlich scheuer als ihre häufigeren Verwandten.
Männchen
Das auffälligste Merkmal der Männchen sind die einheitlich blauen Augen - bei den meisten anderen Mosaikjungfern sind die Augen zweifarbig. Der Hinterleib zeigt eine dunkle Grundfärbung mit blauen und gelblichen Flecken. Die Thoraxseiten tragen breite, grünlich-gelbe Streifen.
Weibchen
Weibchen sind insgesamt bräunlicher gefärbt. Ihre Hinterleibsflecken sind gelblich bis grünlich. Auch die Augen sind weniger intensiv blau, eher grünlich-braun. Insgesamt wirken die Weibchen weniger kontrastreich als die Männchen.
Lebensraum
Die Torf-Mosaikjungfer ist eine echte Spezialistin. Sie ist fast ausschließlich an Moorgewässern zu finden: Hochmoorschlenken, Torfstiche, moorige Heidegewässer und dystrophe Seen sind ihre Heimat. Das Wasser muss sauer und nährstoffarm sein - Bedingungen, die in unserer intensiv genutzten Landschaft immer seltener werden.
Die Larven leben in der Torfmoosvegetation und zwischen den Wurzeln von Moorpflanzen. Ihre Entwicklung dauert zwei bis vier Jahre, abhängig von den Temperaturbedingungen im Moor.
Verbreitung und Gefährdung
In Deutschland ist die Torf-Mosaikjungfer vor allem in den Moorgebieten Norddeutschlands, im Alpenvorland und in den Mittelgebirgen zu finden. Durch die Zerstörung vieler Moore ist sie jedoch stark zurückgegangen und gilt als gefährdet.
In Österreich kommt sie hauptsächlich im Alpenraum vor, in der Schweiz besonders in den Hochmooren der Voralpen und des Juras. Beide Länder tragen eine besondere Verantwortung für den Schutz dieser Art, da hier noch bedeutende Populationen existieren.
Verhalten
Flug- und Jagdverhalten
Die Torf-Mosaikjungfer ist ein kraftvoller Flieger. Die Männchen patrouillieren über den offenen Moorflächen und entlang der Moorgewässer. Dabei fliegen sie oft niedriger als andere Mosaikjungfern - manchmal nur knapp über den Torfmoospolstern.
Fortpflanzung
Die Eiablage erfolgt in Torfmoos oder andere Moorvegetation. Das Weibchen sticht die Eier meist alleine ab, während das Männchen in der Nähe wacht. Besonders gerne werden die Polster von Sphagnum-Moosen als Eiablageplatz gewählt.
Schutz und Gefährdung
Die Torf-Mosaikjungfer steht auf der Roten Liste Deutschlands in Kategorie 3 (Gefährdet). Die Hauptgefährdungsursachen sind:
- Entwässerung und Zerstörung von Mooren
- Nährstoffeintrag in Moorgewässer
- Klimawandel (Austrocknung)
- Torfabbau
Der Schutz und die Renaturierung von Mooren sind daher entscheidend für das Überleben dieser Art.
Beobachtungstipps
Wenn Sie die Torf-Mosaikjungfer beobachten möchten, müssen Sie sich in Moorgebiete begeben. In vielen Naturschutzgebieten führen Bohlenwege durch Moore - von dort aus können Sie mit etwas Glück diese scheue Art entdecken.
Die beste Beobachtungszeit liegt zwischen Juli und September. Suchen Sie nach Gewässern mit Torfmoospolstern. Die Männchen fliegen oft in Augenhöhe und lassen sich dann - trotz aller Scheu - recht gut beobachten. Bei meinen Moorexkursionen habe ich die besten Sichtungen an sonnigen Vormittagen gehabt.
Ähnliche Arten
Die Blaugrüne Mosaikjungfer hat zweifarbige Augen (oben blau, unten grün) und kommt nicht in Mooren vor. Die Herbst-Mosaikjungfer hat einen charakteristischen gelben Keil am Hinterleib. Die Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica) ist sehr ähnlich, aber noch seltener und hat andere Thoraxzeichnungen.