Gebänderte Prachtlibelle
Calopteryx splendens (Harris, 1782)
Die Gebänderte Prachtlibelle zählt zu den elegantesten Erscheinungen an unseren Fließgewässern. Wenn Sie an einem sonnigen Sommertag entlang eines ruhig dahinfließenden Wiesenbachs spazieren, werden Sie diese Art mit hoher Wahrscheinlichkeit antreffen. Die Männchen mit ihren charakteristischen dunkelblauen Flügelbinden gehören für mich zu den schönsten Anblicken, die unsere heimische Insektenwelt zu bieten hat.
Kurzsteckbrief
| Größe | 45-48 mm Körperlänge |
|---|---|
| Flugzeit | Mitte Mai bis Anfang September |
| Unterordnung | Kleinlibellen (Zygoptera) |
| Familie | Prachtlibellen (Calopterygidae) |
| Gefährdung Deutschland | Vorwarnstufe (V) |
| Gefährdung Österreich | Potenziell gefährdet (NT) |
| Gefährdung Schweiz | Nicht gefährdet (LC) |
Namensherkunft
Der deutsche Name beschreibt das auffälligste Merkmal der Männchen: die breiten, blau schillernden Flügelbinden. Anders als bei der Blauflügel-Prachtlibelle, deren Männchen fast vollständig blaue Flügel besitzen, trägt diese Art eben nur Binden in der Flügelmitte.
Der wissenschaftliche Gattungsname Calopteryx leitet sich aus dem Griechischen ab: kalé pteryx bedeutet "schöner Flügel". Der Artname splendens stammt vom lateinischen splendere - glänzend - und verweist auf das metallische Schillern der Tiere.
Aussehen und Bestimmung
Männchen
Die Männchen fallen durch ihre dunkelblaue Flügelbinde auf, die sich in der Mitte der sonst durchsichtigen Flügel befindet. Der Körper schimmert metallisch grünlich-blau. Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal ist die "Laterne" - so nennen wir Libellenkundler die Unterseite der letzten drei Hinterleibssegmente. Bei dieser Art ist sie gelblich-weiß gefärbt und spielt bei der Balz eine entscheidende Rolle.
Weibchen
Die Weibchen sind deutlich unscheinbarer. Ihre Flügel sind grünlich getönt, der Körper schimmert metallisch grün. Diese Tarnung ist sinnvoll, denn die Weibchen halten sich oft in der Ufervegetation auf, wo sie vor Fressfeinden geschützt sind.
Lebensraum
Diese Art ist die Charakterlibelle des Mittel- und Unterlaufs von Fließgewässern. Besonders häufig begegne ich ihr an nährstoffreichen Wiesengräben und Wiesenflüssen. Während die Blauflügel-Prachtlibelle kühlere Oberläufe bevorzugt, fühlt sich die Gebänderte Prachtlibelle an langsameren, wärmeren Gewässerabschnitten wohl.
Die Larven benötigen Strukturen, an denen sie sich in der Strömung festhalten können. Dies können frei flutende Wasserpflanzen sein, Baumwurzeln, die ins Wasser ragen, oder auch Spalten im Prallhang eines Bachs.
Verbreitung
Die Gebänderte Prachtlibelle ist ein eurosibirisches Faunenelement, das im Osten bis zum Baikalsee und nach Nordwest-China vorkommt.
Deutschland
In Deutschland kommt die Art nahezu flächendeckend vor. Lediglich an der Nordseeküste fehlt sie weitgehend.
Österreich
In der Ebene und bis in mittlere Höhenlagen ist sie häufig anzutreffen. Sie gilt als Charakterart der Tieflandflüsse und -bäche. Im Hochgebirge fehlt sie oder ist sehr selten.
Schweiz
Die Nominatform C. s. splendens kommt nördlich der Alpen und im Wallis verbreitet vor. In den alpinen Tälern und im Engadin ist sie seltener. Im Tessin wird sie durch die italienische Unterart C. s. caprai ersetzt.
Verhalten
Territorialverhalten
Ab Temperaturen von etwa 16°C besetzen die Männchen Tagesreviere, die sie energisch gegen Konkurrenten verteidigen. Sie spreizen dabei drohend die Flügel und führen Drohflüge aus. Die Reviergröße hängt von der Populationsdichte ab - sie beträgt etwa 3 Meter Breite und 1 Meter Tiefe, kann bei hoher Dichte aber auf wenige Dezimeter schrumpfen.
Begehrte Revierplätze umfassen potenzielle Eiablagesubstrate und exponierte Sitzwarten wie Äste, Schilfhalme oder vorjährige trockene Vegetation.
Balzverhalten
Das Balzverhalten der Prachtlibellen gehört zu den faszinierendsten Verhaltensweisen in der Libellenwelt. Sobald ein Weibchen die Reviergrenze überflogen hat, fliegt das Männchen ihm in einem auffälligen Schwirrflug entgegen. Dabei biegt es seinen Hinterleib nach oben und präsentiert die gelblich-weiße "Laterne". So führt es das Weibchen zum Eiablageplatz.
Am Eiablageplatz angekommen, wechselt das Männchen in einen anderen Flugstil - es wirkt, als ließe es sich von der Strömung treiben. Bleibt das Weibchen sitzen, setzt sich das Männchen auf die Flügel des Weibchens und die Paarung beginnt. Die mittlere Paarungsdauer beträgt etwa 164 Sekunden.
Eiablage
Nach der Paarung markiert das Männchen im Zeigeflug den Eiablageplatz. Das Weibchen folgt und beginnt mit der Eiablage. Solange das Weibchen an der Wasseroberfläche Eier ablegt, wird es vom Männchen bewacht.
Sehr häufig klettert das Weibchen kopfüber unter Wasser und kann dort erstaunliche 100 Minuten verbleiben, während es die Eier in Pflanzengewebe einsticht. Zum Auftauchen lässt es einfach das Substrat los und treibt mit der Strömung an die Oberfläche - von dort kann es sofort auffliegen.
Lebenserwartung
Die Männchen können bis zu 69 Tage alt werden, wobei der Mittelwert bei etwa 15,6 Tagen liegt. Weibchen erreichen bis zu 50 Tage (Mittelwert: 16,3 Tage). Diese Tiere bleiben ihrem Larvengewässer sehr treu - die Abwanderungsrate ist gering, und sie verlassen selten einen etwa 400 Meter breiten Streifen entlang des Gewässers.
Ähnliche Arten
Als größte europäische Kleinlibellen sind Verwechslungen mit anderen Libellenfamilien praktisch ausgeschlossen. Innerhalb der Prachtlibellen gibt es jedoch Verwechslungsmöglichkeiten:
Die Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo) hat bei den Männchen fast vollständig blaue Flügel statt nur einer Binde. Außerdem ist ihre "Laterne" rötlich statt gelblich-weiß. Die Weibchen der Blauflügel-Prachtlibelle haben bräunliche Flügel, während die unserer Art grünlich gefärbt sind.
Beobachtungstipps
Wenn Sie die Gebänderte Prachtlibelle beobachten möchten, empfehle ich Ihnen einen Spaziergang entlang eines sonnigen Wiesenbachs oder -grabens zwischen Juni und August. Achten Sie auf langsamere Gewässerabschnitte mit üppiger Ufervegetation.
Die Männchen sitzen oft auf Blättern oder Halmen direkt über dem Wasser und sind durch ihre Flügelbinden gut zu erkennen. Mit etwas Geduld können Sie das faszinierende Balzverhalten beobachten - ein Naturschauspiel, das ich jedem Naturfreund ans Herz lege.