Die Eiablage der Libellen
Nachdem die Paarung vollzogen ist, begeben sich die Weibchen - oftmals von den Männchen begleitet - zur Eiablage. Die verschiedenen Arten verfolgen dabei sehr unterschiedliche Strategien, die sich über Jahrmillionen an ihre jeweiligen Lebensräume angepasst haben.
Die zwei grundlegenden Strategien
Endophytische Eiablage
Die Eier werden in lebendes oder totes Pflanzengewebe gestochen. Die Weibchen besitzen dafür einen speziellen Legebohrer. Diese Strategie nutzen alle Kleinlibellen sowie die Edellibellen unter den Großlibellen.
Exophytische Eiablage
Die Eier werden außerhalb vom Pflanzengewebe abgelegt - ins Wasser geworfen, im Kies versteckt oder in feuchten Torf gestochen. Diese Strategie findet sich bei Flussjungfern, Quelljungfern, Falkenlibellen und Segellibellen.
Interessanterweise teilen sich die etwa 80 in Deutschland vorkommenden Arten fast gleichmäßig auf beide Strategien auf: je etwa 40 Arten.
Eiablage nach Familie
Prachtlibellen
Das Weibchen sucht den Eiablageplatz auf, den das Männchen weist. Sie legt allein ihre Eier ins Pflanzengewebe und taucht dabei gelegentlich unter. Das Männchen verbleibt in der Nähe und bewacht das Weibchen im charakteristischen "Hubschrauberflug".
Binsenjungfern
Die Eiablage erfolgt hauptsächlich gemeinsam im Tandem. Die Eier werden in untergetauchte Pflanzenteile gelegt, wobei manchmal beide Partner untertauchen. Ausnahme: Die Gemeine Weidenjungfer legt ihre Eier oberirdisch in Weichholzbaumarten wie Weide oder Pappel.
Federlibellen und Schlanklibellen
Die Eiablage erfolgt ausschließlich gemeinsam. Das Männchen hält sich mit dem Zangengriff und steht fast senkrecht über dem Weibchen. Die Eier werden in untergetauchte Pflanzenteile gelegt, manchmal taucht das Weibchen ganz unter.
Quelljungfern
Die Weibchen legen allein. An seichten, nicht befestigten Bachabschnitten fliegen sie auf und ab und stechen urplötzlich ihren Hinterleib ins Wasser, wobei der Legebohrer ins Bachbett stößt und die Eier in den Boden einbringt.
Flussjungfern und Falkenlibellen
Die allein fliegenden Weibchen lassen ihre Eier ins Wasser fallen, indem sie über die Wasserfläche hinweggleiten und durch wippende Bewegungen des Hinterleibs die Eier abschütteln. Der Zweifleck legt als Besonderheit seine Eier in gallertartigen Eischnüren ab, ähnlich wie Kröten.
Edellibellen
Die Eiablage erfolgt meist allein. Mit dem Legeapparat prüfen die Weibchen das mögliche Substrat wie Moos, feuchte Erde, faulendes Holz und Pflanzen. Die Große Königslibelle ist dabei besonders gut zu beobachten. Ausnahmen: Die Südliche Mosaikjungfer und die Kleine Königslibelle legen in Begleitung der Männchen.
Segellibellen
Da die Weibchen keine Legescheiden besitzen, werfen sie ihre Eier im Fluge ab oder streifen sie durch Berühren des Wassers ab. Die Ablage erfolgt überwiegend allein (Moosjungfern, Blaupfeile), manchmal bewacht (Plattbauch), oder zu Beginn im Tandem (Heidelibellen).
Anzahl der Eier
Je nach Eiablagestrategie variiert die Eizahl stark:
| Art | Strategie | Eizahl |
|---|---|---|
| Fledermaus-Azurjungfer | endophytisch | ca. 80 (Minimum) |
| Zweifleck | exophytisch | ca. 2.000 (Maximum) |
Generell legen endophytisch legende Weibchen weniger Eier als exophytisch legende - die einzelnen Eier sind besser geschützt und haben höhere Überlebenschancen.
Beobachtungstipp
Die Eiablage ist eines der am einfachsten zu beobachtenden Verhaltensweisen bei Libellen. Suchen Sie an einem warmen Sommertag die Uferzone ab - besonders bei Binsenjungfern und Heidelibellen werden Sie Tandems bei der Eiablage finden. Die Gemeine Weidenjungfer ist besonders auffällig, da sie in Weidenzweige legt, die über dem Wasser hängen.