Die Paarung der Libellen
Nachdem die Libellen ihren Reifeflug beendet haben, kehren sie zumeist an ihr Larvengewässer zurück. Die Männchen der Großlibellen besetzen Reviere, die sie gegen jeden Eindringling verteidigen. Häufig kommt es an den Reviergrenzen zu atemberaubenden Luftkämpfen, bei denen man das Berühren der Flügel hören kann - manchmal sogar das Aufprallgeräusch der Körper.
Die einzigartige Paarung der Libellen
Anders als bei anderen Insekten paaren sich Libellen nicht durch Kopplung der Geschlechtsorgane an den Hinterleibenden. In dieser Stellung könnten die Tiere nicht fliegen. Deshalb hat sich ein einzigartiges Paarungsverhalten entwickelt - wohl das faszinierendste im gesamten Tierreich.
Schritt 1: Das Ergreifen
Das Männchen ergreift mit seinen oberen Hinterleibsanhängen (Appendices superiores) das Weibchen:
- Großlibellen: Das Weibchen wird am Kopf gegriffen
- Kleinlibellen: Das Weibchen wird hinter dem Kopf gegriffen
Durch die besondere Form dieser "Haltezangen" passen die Zangen des Männchens nur zum Weibchen der gleichen Art - das sogenannte Schlüssel-Schloss-System. Bei sehr hoher Männchendichte kann es zwar zum Ergreifen von Weibchen einer verwandten Art kommen, eine erfolgreiche Paarung ist aber äußerst selten möglich.
Schritt 2: Die Praecopula
Die Männchen bilden ihren Samen nicht in der Nähe des Penis. Deshalb krümmt das Männchen mit angekoppeltem Weibchen seinen Hinterleib so stark, dass es das Sperma vom 9. Hinterleibsegment (wo es erzeugt wird) in die Samentasche im 2. Hinterleibsegment füllen kann. Dieser Vorgang wird Praecopula (Vorpaarung) genannt.
Schritt 3: Das Paarungsrad
Nachdem die Samentasche gefüllt ist, bringt das Weibchen ihre Genitalien zum 2. Segment des Männchens. So entsteht das berühmte Paarungsrad - das eher an ein Herz erinnert als an ein Rad.
Bei einigen Arten kann das Männchen mit seinem Penis sogar die Samentasche des Weibchens von Samen eines vorherigen Männchens reinigen, bevor es seine eigenen Samen überträgt. Das Weibchen hält sich oft mit ihren Beinen am Männchen fest - bei Arten mit Wachsbereifung entstehen dabei charakteristische Kopulationsmarken.
Schritt 4: Tandem oder allein zur Eiablage
Sobald die Paarung vollzogen ist, löst sich das Weibchen. Entweder fliegen beide Partner gemeinsam in Tandemformation zur Eiablage, oder das Männchen löst sich ganz, und das Weibchen fliegt allein - bewacht oder unbewacht - zum Legen.
Paarungsdauer
Die Paarung dauert je nach Art sehr unterschiedlich:
| Art | Paarungsdauer |
|---|---|
| Vierfleck | 5-20 Sekunden (kürzeste, ganz im Flug) |
| Große Pechlibelle | Bis zu 5,5 Stunden (längste) |
Partnersuche nach Unterordnung
Kleinlibellen
Die Männchen erscheinen früher als die Weibchen am Gewässer. Sie besetzen ein kleines Revier und warten auf die Weibchen. Die Reviergrenzen verschieben sich häufig.
Großlibellen
Die Männchen besetzen größere, stabilere Reviere. Sie fliegen auf und ab, verteidigen ihr Territorium und erwarten auf diese Weise die Weibchen.
Prachtlibellen - die Balzer
Die Arten der Familie Prachtlibellen (Calopterygidae) sind die einzigen heimischen Libellen, die um die Gunst der Weibchen werben. Mit ihren markant blauen Flügeln führen die Männchen einen Werbeflug auf - echte Balz also!
Beobachtungstipp
Die Paarungsräder von Kleinlibellen sind relativ leicht zu beobachten, da sie oft längere Zeit an einem Ort verharren. Bei der Gemeinen Binsenjungfer oder der Großen Pechlibelle gelingen so eindrucksvolle Beobachtungen. Bei Großlibellen ist es schwieriger - sie paaren sich oft im Flug oder ziehen sich in Bäume zurück.
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