Gefleckte Smaragdlibelle
Somatochlora flavomaculata (Vander Linden, 1825)
Die Gefleckte Smaragdlibelle ist eine der faszinierendsten Vertreterinnen der Falkenlibellen in unseren Breiten. Ihr metallisch grün schimmernder Körper mit den namensgebenden gelben Flecken an den Seiten des Hinterleibs macht sie zu einer wahren Schönheit unter den Großlibellen. In meinen über 50 Jahren als Libellenbeobachter habe ich diese scheue Art nur selten zu Gesicht bekommen - umso mehr schätze ich jede Begegnung mit ihr.
Kurzsteckbrief
| Größe | 45-54 mm Körperlänge |
|---|---|
| Flugzeit | Mai bis September |
| Unterordnung | Großlibellen (Anisoptera) |
| Familie | Falkenlibellen (Corduliidae) |
| Gefährdung Deutschland | Stark gefährdet (2) |
| Gefährdung Österreich | Stark gefährdet (EN) |
| Gefährdung Schweiz | Nicht gefährdet (LC) |
Namensherkunft
Der deutsche Name "Smaragdlibelle" bezieht sich auf die smaragdgrüne Färbung des Körpers, besonders der Augen. "Gefleckte" verweist auf die charakteristischen gelben Flecken an den Seiten der Hinterleibssegmente, die besonders bei jungen Weibchen sehr deutlich ausgeprägt sind.
Der wissenschaftliche Gattungsname Somatochlora stammt aus dem Griechischen: soma bedeutet "Körper" und chloros bedeutet "grün" - also "grünkörperig". Der Artname flavomaculata setzt sich aus dem Lateinischen flavus (goldgelb) und macula (Fleck) zusammen: "gelbfleckig".
Aussehen und Bestimmung
Die Gefleckte Smaragdlibelle zeigt die für Falkenlibellen typische metallisch-grüne Körperfärbung. Was sie jedoch von ihren Verwandten unterscheidet, sind die gelben Seitenflecken auf den einzelnen Hinterleibssegmenten. Diese Flecken sind bei jungen Weibchen besonders auffällig, verblassen aber bei älteren Männchen manchmal so stark, dass sie kaum noch zu erkennen sind.
Ein weiteres wichtiges Bestimmungsmerkmal: Die Stirn unserer Art besitzt je einen gelben Fleck an den Außenseiten. Damit unterscheidet sie sich von der häufigen Gemeinen Smaragdlibelle (Cordulia aenea), die eine gänzlich grüne Stirn hat, und von der Glänzenden Smaragdlibelle (Somatochlora metallica), bei der die gelben Stirnflecken durch einen breiten gelben Steg miteinander verbunden sind.
Lebensraum
Die Gefleckte Smaragdlibelle bewohnt Gewässer mit reicher Unterwasser- und Ufervegetation. Dazu gehören Moore, größere Verlandungszonen stehender Gewässer, verwachsene Kleinstgewässer sowie langsam fließende Gewässer mit dichter Vegetation. Die Art meidet größere offene Wasserflächen.
Interessanterweise werden die Männchen oft fernab vom Wasser angetroffen: in Nassflächen im Wald, auf feuchten Wiesen in Waldnähe, aber auch in und über Waldschneisen und -wegen. Wenn Sie diese Art suchen, sollten Sie also nicht nur am Gewässer selbst Ausschau halten.
Verbreitung
Die Gefleckte Smaragdlibelle ist ein westsibirisches Faunenelement, das von der französischen Atlantikküste bis zum Ob verbreitet ist. In Europa fehlt sie auf den britischen Inseln, der iberischen Halbinsel und auf dem Balkan.
In Deutschland ist sie in allen Bundesländern nachgewiesen, aber unterschiedlich häufig. Größere Vorkommen gibt es im Alpenvorland, in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. An der Nordseeküste, in Thüringen und im Saarland fehlt sie weitgehend.
In Österreich kommt sie bis auf das Burgenland in allen Bundesländern vor, größere Vorkommen finden sich in Kärnten, Tirol, Salzburg, Oberösterreich und dem Rheintal. Die Hochlagen der Alpen werden gemieden.
In der Schweiz ist sie in den tieferen Lagen verstreut, besonders in der West- und Nordostschweiz. Die Alpen und ihre Täler werden gemieden.
Verhalten und Lebensweise
Flugzeit und Aktivität
Die Imagines schlüpfen von Mitte Mai bis Ende Juli. Die Gefleckte Smaragdlibelle ist allerdings ein "Langschläfer" - selten sieht man sie am frühen Vormittag, und abends ist sie nach 18:00 Uhr kaum noch anzutreffen. In ihrem Jagdrevier fliegt sie stetig immer dieselben Bahnen in niedriger Höhe (maximal 1,50 m) über die Vegetation.
Paarung und Eiablage
Die Männchen erwarten die Weibchen nicht am Wasser, sondern bereits vorher: entweder in den Jagdrevieren oder in offenen Schneisen, die zum Wasser führen. Nach der Paarung, die etwa anderthalb Stunden dauert, fliegt das Weibchen allein zur Eiablage.
Die Eier werden meist in stark verwachsene Bereiche abgelegt, unter überhängenden Blättern von Seggen und Uferbäumen oder über dichten Algenbeständen. Dabei schwirren die Weibchen oft auf der Stelle, drehen sich langsam im Kreis und schlagen immer wieder ihr Hinterleibsende auf das Wasser.
Larvenentwicklung
Die Larven leben in relativ flachem Wasser auf dem Bodenschlamm oder im dichten Gewirr der Wasserpflanzen. Sie sind auf eine gewisse Bodenschlammschicht angewiesen, in die sie sich eingraben können - so überstehen sie auch ein vorübergehendes Austrocknen des Gewässers. Die Larvalzeit beträgt etwa 3 Jahre.
Zum Schlupf klettern die Larven an Seggen, Schilf oder Rohrkolben empor, manchmal bis in Höhen von 1,80 m. Erst in letzter Zeit wurde nachgewiesen, dass die Gefleckte Smaragdlibelle auch gern in niedriger Höhe unter überhängenden Blättern oder an der Unterseite von Blättern des Fieberklees schlüpft.
Gefährdung und Schutz
Die Gefleckte Smaragdlibelle gilt in Deutschland als stark gefährdet. Hauptursachen sind der Verlust geeigneter Lebensräume durch Entwässerung von Mooren und die Eutrophierung von Gewässern. Auch die Intensivierung der Landwirtschaft und der Verlust naturnaher Waldgewässer setzen der Art zu.
Wenn Sie zum Schutz dieser Art beitragen möchten, unterstützen Sie lokale Moorschutzprojekte oder setzen Sie sich für den Erhalt naturnaher Gewässer mit reichhaltiger Vegetation ein.
Beobachtungstipps
Die Gefleckte Smaragdlibelle ist nicht einfach zu beobachten. Mein Rat: Suchen Sie zwischen Juni und August Moorgewässer oder stark verwachsene Teiche auf. Achten Sie auf die typische niedrige Flugweise über der Vegetation. Die beste Beobachtungszeit liegt zwischen 10 und 17 Uhr.
Wenn Sie die Art fernab vom Wasser suchen möchten, halten Sie in feuchten Waldschneisen oder auf Nasswiesen in Waldnähe Ausschau. Dort jagen die Tiere oft in charakteristischen Bahnen.